Sehbehinderung

 

Einführung in den Low Vision Bereich


Erläuterung

 

Der Begriff „Low Vision“ kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und bedeutet soviel wie „schwaches oder vermindertes Sehvermögen“. Das ursprünglich normale Sehvermögen ist sehr eingeschränkt.
Weder mit einer herkömmlichen Brille noch durch Kontaktlinsen können diese Sehverluste ausgeglichen werden. Die verminderte Sehleistung kann unterschiedliche Ursachen haben und sich verschieden auswirken.

 


Low Vision Beratung

 

Ziel der Beratung ist, durch eingehende Untersuchungen und Messungen das vorhandene restliche Sehvermögen zunächst zu ermitteln und dann mit speziellen Hilfsmitteln oder Sehstrategien so weit wie möglich zu verbessern, so dass möglicherweise ein höhere Selbstständigkeit im Hause, in der Ausbildung, im Berufsleben, bei der Ausübung des Hobbys sowie in der Freizeit erreicht wird, was folgerichtig zu einer höheren Zufriedenheit der oder des Betroffenen führt.

 


Wann ist eine Beratung sinnvoll?

 

Im Grunde immer, insbesondere dann, wenn noch nicht alle Möglichkeiten ausprobiert und ausgeschöpft wurden.
Unser Experte ist eigens dafür ausgebildet. Er kann auf eine lange Berufserfahrung zurückblicken und es ist ihm immer eine Freude, Betroffenen helfen zu können.
Er arbeitet in regelmäßigen Workshops und ist auf allen wichtigen Fortbildungen anzutreffen, damit er Ihnen immer eine Hilfe sein kann.

Sein Motto: „Alles Wissen und alle Theorie hilft wenig, wenn man nicht ausprobiert und auch mal bereit ist, neue oder andere Wege einzuschlagen.“

Seiner Meinung nach ist das einfachste Hilfsmittel was zum Erfolg führt das Beste.

Das Hilfsmittel soll die Flexibilität des Betroffenen nach Möglichkeit nicht beeinträchtigen.
Standgeräte sind ortsgebunden und deshalb nur in Ausnahmen zu empfehlen.

 


Bedürfnisse und Wünsche

 

Die Bedürfnisse der Betroffenen und deren Wünsche sind ihm sehr wichtig. Das Ziel ist stets die Verbesserung der Lebensqualität durch Erhöhung der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Dies in hohem Maße zu erfüllen, ist nicht immer einfach.

 


Lichtbedarf

 

Licht ist der wichtigste Bestandteil des Sehens.
Der Lichtbedarf ist für die Augen eines jeden Menschen höchst unterschiedlich.
Licht ist nicht gleich Licht und Helligkeit ist, wenn sie unangemessen ist, nachteilig.
Bei der Beratung wird der Lichtbedarf fein definiert. Es werden unterschiedliche Spezial- Leuchten mit verschieden Leuchtmitteln eingesetzt. Diese Leuchten werden eigens für die Low- Vision-Anwendung gefertigt und führen inden meisten Fällen zu einer erstaunlichen Verbesserung der Sehleistung.

 


Messung des Kontrast-Sehens

 

Kontrast ist der Helligkeits- und Farbunterschied zwischen verschiedenen Gegenständen.
Ist der Unterschied zwischen Objekten sehr groß ist auch der Kontrast entsprechend hoch.

Mit speziellen Sehtafeln wird die Kontrastempfindlichkeit bestimmt.
Durch Einsatz verschiedener Comfort- und Kantenfilter kann das Kontrast-Sehen in den meisten Fällen deutlich gesteigert werden, womit die Sehleistung sehr vorteilhaft unterstützt wird.

 


Was Betroffene in der Öffentlichkeit erleben

 

Den meisten Sehbehinderten sieht man ihre Behinderung nicht an. Sie verhalten sich unauffällig und zurückhaltend.
Die Berichte der Betroffenen, die Sie weiter unten finden, sind keine Einzelfälle. Jeder Sehbehinderte kann von ähnlichen Erlebnissen berichten.
Die Ursache dafür liegt in der Unkenntnis der Mitmenschen.

Aber sie können erfreulicherweise auch von vielen positiven Erfahrungen berichten, von liebevollen Bürgern, die ihnen selbstlos über die Strasse helfen, beim Einstieg in ein Verkehrsmittel oder beim Einkaufen. Sehbehinderte haben ein sehr hohes Vertrauen an alle, so z. B. bei der Bezahlung ihres Einkaufes an den Kassen. Sie übergeben der Kassiererin oft ihre Geldbörse mit der Bitte, sie möge sich den Betrag aus dem Portemonnaie entnehmen. Obwohl sie es eigentlich von der Geschäftsführung her nicht dürfen, kenne ich keine Kassiererin die sich da verweigert.

Sehbehinderungen sind eine zunehmende Krankheit. Sie machen vor keinem Alter halt. Es kann ein Kind, einen Jugendlichen, einen Heranwachsenden genauso treffen. Meist sind es jedoch ältere Menschen die davon betroffen sind. Hier bei uns in Solingen sind es einige hundert.

 


Erika G.

 

Ich heiße Erika, bin 69 Jahre und leide seit 3 Jahren unter dem Sehverlust meiner Augen.
Früher konnte ich eine Fliege, die an einer Fensterscheibe krabbelte, auf 8 bis 10 Meter erkennen.
Die Makuladegeneration hat mir diese Fähigkeit genommen. Heute stehe ich an
einer Bushaltestelle und kann gerade noch wahrnehmen, dass sich ein Bus dem Bahnsteig nähert.
Oder ist es doch ein Lastkraftwagen, der die gleiche Spur benutzt?
Ich frage eine neben mir stehende Person, „ Entschuldigung, ist das der Bus nach Widdert?“ Ich spüre den erstaunten Blick der angesprochenen Person:
„he, ... wollen sie mich auf den Arm nehmen, schauen Sie doch selber hin, sie haben doch ne Brille auf oder ist die von Ihrer Großmutter. Dann sollten sie mal zum Augenarzt gehen!“
Der Bus hält, Personen steigen ein und aus. Ich versuche, zum Fahrer zu gelangen und ihn zu fragen. Aber da sich mehrere Menschen am Bahnsteig befinden, komme ich nicht schnell genug zur Fahrertür und so fährt der Bus ohne mich weiter.
Probleme dieser Art muss ich leider oft erleben. Ich schäme mich für meine Krankheit, denn ansonsten bin ich, wie sie sehen können, noch ganz schön fit. Dies scheint mein Schicksal zu sein.
Ich freue mich, dass Sie uns Betroffenen helfen wollen. Das Los ist schon schwer genug, aber von den Mitmenschen nicht ernst genommen zu werden, ist ein noch schlimmeres Los.

 


Rudolf S.

 

Guten Tag Herr ...., ich bin Herr S., bin 74, habe früher bei der Sparkasse gearbeitet.
War eine schöne Zeit, habe die Arbeit gerne gemacht und meine Kunden spürten das auch und waren mir sehr ans Herz gewachsen. 4 Jahre nach meinem Ruhestandseintritt merkte ich, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmte. Trotz aller Bemühungen war die Krankheit nicht aufzuhalten, ich leide an........, und hatte vor nicht allzu langer Zeit folgendes Erlebnis:
„Ich ging die Kölner Strasse entlang. Ich wollte zum „Tageblatt“ und kam an einem Blumenladen vorbei, der seine Ware weit in den Bürgersteig auslegte. Ich stolperte zwei mal über ein Hindernis, wohl am Anfang und dann noch mal. Ich kenne das, es passiert öfters und ich bin froh dass ich meistens nicht zu Fall komme. Aber in diesem Fall hörte ich Gelächter von jüngeren Mädchen die wohl in der Nähe standen und meine Fehltritte beobachteten. Ihr Kommentar:
„Mensch Alter, am Vormittag schon ........? Ähnliches bekomme ich leider öfters zu hören.

 


Das ist das Sehvermögen von Herrn Rudolf S.

 

Er sieht gestochen scharf, aber nur einen winzigen Fleck so, als würden wir mit gesunden Augen durch einen ca. 15 cm langen Strohhalm schauen. Nur das, was wir durch den Halm sehen, kann auch er sehen. Für einen normal Sehenden ist dies völlig unvorstellbar.
Für ihr Schicksal können die Betroffenen nichts. Meist haben sie alle gesund gelebt und trotzdem hat es sie ereilt. Diese oder andere Arten von Sehbehinderungen kann jeder von uns bekommen.
Statt über diese Menschen zu schmunzeln, sollten wir sie bewundern.

 


Gerda D.

 

Jetzt wohne ich hier schon seit über 42 Jahren in dieser Siedlung, kenne eigentlich jeden Menschen hier.
Früher, als mein Mann noch lebte, haben wir viel in der Nachbarschaft gefeiert. Es war eine schöne Zeit, obwohl wir alle nicht viel Geld hatten. Aber wir waren glücklich. Dann starb Walter, mein lieber Mann. Unsere 3 Kinder sind in alle Himmelsrichtung verstreut und haben ihre eigenen Familien. Vor genau 12 Jahren, ich weiss es noch wie heute, verlor ich mein Augenlicht, das heisst, ich sehe schon etwas, ich bin nicht blind. Es ist kaum zu beschreiben, man nimmt etwas wahr und kann es trotzdem nicht sehen. Vielfach hilft meine Erinnerung. Seit dieser Zeit tuschelt man in der Siedlung über mich. „Schau mal, die Gerda, hat die im Lotto gewonnen? Die will uns wohl nicht mehr kennen, ist wohl was Besseres geworden.“
Und so häufen sich die Sprüche, nur weil ich die Menschen auf der Straße nicht mehr erkennen und sie grüßen kann. Das tut schrecklich weh, das sind doch alles unsere Freunde.
Ach ja, mir fehlt Walter, der könnte mir helfen. Vielleicht bin bald bei ihm.

 


Gerda D.

 

erkennt bei genauem „hinsehen“ ihre Freunde und Bekannten nur an der Art wie sie sich bewegen oder an ihrer Stimme. Wenn sie 2 Meter neben ihr vorbei gehen und Gerda sie nicht „anstarrt“ , wird sie sie beim besten Willen nicht erkennen können, denn sie muss sich sehr auf ihren Weg konzentrieren, damit sie nicht über ein Hindernis wie z.B. eine graue Mülltonne fällt.
Solch eine Mülltonne hat keinen Kontrastunterschied zur Straßenfarbe und ist dadurch für Menschen mit dieser Art der Sehbehinderung nicht zu erkennen.

Es ist also weder Arroganz noch Desinteresse, wenn Frau D. sie „übersieht“.

Falls sie ihr begegnen und sie zuerst grüßen seien sie sicher, sie wird zurück grüßen, denn sie erkennt sie an ihrer Stimme und sie haben sie damit ein klein wenig glücklich gemacht.